My Highschool Year in the US

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SCANDINAVIA

These 4 countries are very important to me (altough I've never been to Finland (yet!)). I like them a lot and I love spending my holidays over there. I've been to Scandinavia twice and that were the best holidays ever. Sadly I don't have that much pictures from the first one but I took tons of pictures the second holidays I've spend there.



Steninge Garden


Summer 2004

I took us more than two days to get to Sweden. We took a ferry to Trelleborg and started our tour. Because we had our caravan with us we were free to chose where we went. My friend and I were thrilled by what we saw because it looked like 200 years ago (at some places) and after we finally escaped the craneflies at the Asnen lake, we went to Stockholm. I immediately fell in love with the city. I loved the architecture, the mentality, the weather (there was NO rain and it was always warm (30-35°C)) and I never imagined it like this. We visited the National Museum and the WASA Museum (and no, it doesn't have anything to do with the Swedish crispbread) where they showed a royal ship of 1600. My friend was so excited because she is a really big fan of "The Pirates Of The Caribbean" and this ship just looked like one of these ships shown in the movie. We went shopping a lot and my father still claims that he knows every park bench by heart because he always had to wait for us (fortunately for him there were any park benches!). We always were tired in the evening because of all this "adventure". One day went to Drottningholm Slotten, the royal palace, and my friend and I enjoyed the palace garden but we kind of got lost and my parents were so worried about us! And we only sat by the little lake, watching the brants and having a discussion (in English!) whether it's right or wrong to name the "Ocean" "Sea" (in my opignion you can't) - I know, sounds kinda crazy but I thought it was funny back then (still do).
But we left Stockholm (I was so sad!) a week later and went to Lönneberga, where "Emil" was filmed. Germans may know him als "Michel" but I don't know the English title if there is one. It's the little boy in one of Astrid Lindgrens books, the one that plays pranks on everyone. We visited "Katult" but also "Bullerby" and it was so cute!! We only stayed there two days because we wanted to go to Steninge, a little village at the westcoast where my parents used to spend their holidays 25 years ago. They were so surprised when we arrived there because nothing had changed since then (well, at least not that much). And Stenige is the cutes village ever. We camped at Steninge Garden wich belong to a little christian communety and they were very friendly. Except for a little Dutch family that camped there we had the garden to ourselfes. We had lots of fun but we only when bathing once because it was that cold (that didn't keep the Swedes from bathing every day). My friend and I drew, wrote and played with Diana. It was just awesome. And a few days before we had to go home we went horse riding. It was so much fun because there were Icelandics and my horse was just awesome. She was very little and not that pretty if I think of it, but her tolt...let's say I've never known any horse that was that good! But soon after that we went home. This was really the best holiday ever.

Summer 2005 ~ coming soon ~



Steninge, little huts at the beach



Steninge Garden (entrance)



sunset (beach)



little island



Steninge (mainstreet)



the beach (from afar)



the shores



the sea...


Ok, I know I'm a lasy person because I didn't already post the Story of 2005 but it's coming soon! I promise! Now for all my German speaking friends and others: here's my diary I wrote for my friend Alina while travelling. I wrote it day by day so there are suprising (for me they were!) turns and such. Enjoy!



*****Einleitung*****
Ich dachte mir, wenn du jetzt schon nicht dabei sein kannst, schreibe ich so eine Art Reisebericht. Ist dann einfacher zu erzählen, weil man keine wichtige Einzelheit vergisst (ok, ich vergess’ eh immer alles, aber mal davon abgesehen…). Außerdem, was ist ein Skandinavienurlaub ohne Bericht?? Ich erinnere da an letztes Jahr, Maggi, weißt du noch? Aber mach ich den jetzt für dich…also, Augen auf, zurücklehnen (aber nur so viel, dass du noch lesen kannst!!) und genießen (oder auch nicht). Viel Spaß!


*****2.08 – 1. Tag des total verplanten „Fahren wir halt mal“-Urlaubs*****

Also dieser Urlaub fängt echt schon gut an. So verplant war bis jetzt noch keiner (oder, Moment… DOCH! Genau genommen…waren das alle!). Eigentlich wollten wir ja Samstag fahren…ich also schon Freitag paar Sachen für den Urlaub erledigt (der wohlgemerkt erst 2 Tage vorher fest beschlossen wurde!)…aus Samstag wurde dann Sonntag, ist ja noch nichts Besonderes in meiner Familie…aber dann haben sich noch Dani & Co. aus München angemeldet und zu guter letzt hatte Brúnka noch nen Zahnarzttermin am Montag (schon mal ein besoffenes Pferd gesehn, oder zumindest, das aussieht wie eins? Und damit durch ein Dorf gelaufen und angeschaut worden wie ein Tierquäler?) Deshalb sind wir doch erst Dienstag gefahren. Dienstagmorgen sind wir aber erst ganz spät aufgestanden. Dann mussten noch ein Paar Sachen erledigt werden. 10 Uhr. Oh, wir müssen noch in den OBI! 11 Uhr. Och, lasst uns doch noch einen Kaffee trinken gehen, wir haben doch Zeit! 12 Uhr. Autobahn.
Unser eigentliches Tagesziel war ja der Campingplatz in der Heide (Südseecamping), bei Soltau. Geschafft haben wir es aber nur bis Bad Was-Weiß-Ich-Was in der Nähe von Göttingerode, wo wir des letzte Mal auf dem Platz waren (weißt du noch, da wo sie um 7 Uhr Abends die Bürgersteige hochgeklappt haben??). Der Platz ist ganz ok, also besser als der andere verkorkste da. Wir waren auch schon was Essen, gehört ja zum Urlaubseinstand. Wir sind alle total fertig (fragt sich, wovon) und gleich gehen wir dann Schlafen. Wir haben heute so wenig geschafft, ich wette, wir kommen morgen auf keinen Fall bis Steninge. Aber das coolste überhaupt ist der Laptop. Wir haben im OBI nen Adapter gekauft, sodass ich im Auto schreiben kann und zwar nicht auf Akku!! Hab mir erst mal nen Wolf gegrinst (wie Nadine sagen würde) und war beschäftig die Fahrt über. Konnte auch Musik hören und alles. Da ging die Fahrt voll schnell vorbei. Morgen werd ich den aber net nehmen, wir fahren ja durch Norddeutschland und da will ich gucken.
*Fazit/Spruch des Tages*: Hinter dieser Familie muss man mit der Peitsche her, sonst läuft garnix!



*****3.08 – Quer durch Dänemark oder Mama und die Älge*****
Du wirst es nicht glauben. Ich glaube es noch nicht ganz. Aber…wir sind in Steninge!!! Wir haben’s echt geschafft! Oder besser gesagt mein Vater. Heute Morgen hat mein Wecker geklingelt, um 6.30 Uhr. Um 7.30 Uhr sind wir vom Platz gefahren, Weltrekord!! Wir sind am Anfang so gut vorangekommen, da durch die Heide. Zum Leidwesen von Mama hat die noch nicht geblüht („Ich sehe kein Heidekraut, habt ihr schon welches gesehen??“ Ja, die ganze Zeit neben der Fahrbahn…). Aber kurz vor Hamburg sind wir in einen ewig langen Stau gekommen, der uns ne ganze Stunde gekostet hat. Und als wir dann in Puttgarden an der Fähre angekommen sind, war zwar noch eine am Aufladen, aber es haben keine Gespanne mehr drauf gepasst! Dann durften wir da noch ne Stunde warten. Unser Früh-Aufsteh-Bonus war ja spätestens jetzt im Eimer. Dann die Fährüberfahrt…also Mama kann so was einfach net schätzen, wie lange des dauert, muss ich mir merken. Wenigstens hat sie sich net so verschätzt, wie letztes Mal („Dauert nur 4 ½ Stunden!!“ Und da waren’s 9 ½…), nur so um ne Stunde. Danach ging’s dann weiter, durch Dänemark. Wir haben schon fieberhaft nach nem Campingplatz gesucht, wir waren ja eigentlich sicher, dass wir’s nicht mehr schaffen. Aber wir haben’s geschafft. Spätestens als wir über den Öresund gefahren sind, waren wir sicher. Danach war dann die Prämiere des Tages (was wir noch 2 Stunden später aus den billigen Plätzen von hinten (Mama) zu hören bekamen, bis es von einem anderen Ereignis abgelenkt wurde (dazu später)): DER HUNDEPASS WURDE KONTROLLIERT! Sie haben echt alles sehen wollen, aber unserer war natürlich ok. Dann gings ohne Zwischenstopp weiter bis Steninge. Aber dann war das zweitgrößte Ereignis des Tages. Wir fahren auf der Autobahn, kurz vor unserer Ausfahrt und was steht da auf einem Kornfeld neben der Autobahn? Der dickste, schwärzeste Elch, den ich bis jetzt gesehen habe (man muss dazu sagen, dass ich noch net viele gesehen hab)!! Mama war ganz aus dem Häuschen („Ein Elch!!! Ich hab einen Elch gesehn!! Endlich hab ich einen Elch gesehn! Aber ich hab’s heute schon den ganzen Tag gewusst, deshalb hab ich auch schon geschaut. Und gerade hab ich gedacht, der kommt bestimmt von links, nicht von rechts…!“ Ja, is klar). Und sie hat sich glaub ich erst beruhigt, als wir ne halbe Stunde später in Steninge nach nem Stellplatz fragen mussten. Die ganzen Häuser sind voller Schweden mit ihren kleinen Kiddies. Naja, wird sich aushalten lassen. Unser Terrain haben wir ganz für uns bis auf ein kleines Zelt mit Schweden so um die 15. Die sind ein bisschen komisch, glaub ich. Sie haben noch nix komisches gemacht, aber trotzdem… Die beste Nachricht des Tages: Wir machen hier einen Tag Pause, bevor wir nach Oslo fahren!! War gerade auch schon am Meer. Es is ziemlich kalt und wird heute Nacht wohl regnen. Hmpf. Aber so war es ja letztes Jahr auch. Man wird sehen.
*Fazit/ Spruch des Tages*: Wird Mama immer kindischer, oder kommt es mir nur so vor??



*****4.08 – Verrückte Schweden*****
Unser einer freier Tag in Steninge. Ruhe haben wir hier nicht so wirklich, muss ich sagen. Die kleinen Kiddies machen ganz schön Krach. Aber heute Morgen hatte ich schon ein Erlebnis der dritten Art. Nix Schlimmes, eher sogar was Gutes… Unser Wohnwagen steht auf dem exakt gleichen Platz wie letztes Jahr. Das Wetter ist genau wie letztes Jahr. Ich kam aus der Tür raus und hatte echt das Gefühl, ich war nie weg. Alles war noch haargenau wie letztes Jahr. Mama hat sogar gesagt, dass der Geruch in den Duschen noch genau derselbe ist, wie vor 20 Jahren. Find ich krass sowas. Bin im Bett gelegen, Mama und Papa haben noch geschlafen, da hatte ich plötzlich Lust, ans Meer zu gehen. Einfach so. Hab ich dann auch gemacht. Um 8 Uhr oder so. War noch kein Mensch wach, außer mir. War toll am Meer. Hat ja in der Nacht geregnet wie sau (wie letztes Jahr auch) und die Wellen waren ewig hoch und das Meer ganz dunkelblau. Und das typische Schwedenwetter, die dicken Wolken. Den Vormittag haben wir dann einfach nur so rumgehockt. Hab ich geschrieben, dass unsere schwedischen Zeltnachbarn komisch sind? Ich nehm’s zurück, die sind total bekloppt! Schlafen zu acht in zwei kleinen Zelten bis Mittags. Dann sind des 6 Jungs und zwei Mädchen. Die spielen die ganze Zeit Ball oder fahren mit nem alten Bollerwagen den Hang runter und fallen unten um. Ich meine, Schweden allein haben ja schon nen Schuss, aber schwedische Jungs musst du wohl gleich schon in ne Zwangsjacke stecken. Wie die alle ausgesehn haben. Einer hatte nen Lockenkopf wie Strubbelpeter, der andere hatte den ganzen Tag so ne Art Turban auf dem Kopf und noch einer is den ganzen Tag mit hängenden Schulter einfach nur rumgelatscht und hat dumm geschaut. Wie würde Obelix sagen, wenn’s das Abenteuer „Asterix bei den Schweden“ gäbe: Die spinnen, die Schweden!
Nach dem Mittagessen waren wir dann am Strand spazieren. Also eher kraxeln. Wir sind da links von der Bucht, dort wo die kleinen Häuser stehen über die Felsen geklettert. Hat total Spaß gemacht über Geröllhaufen, Felsen, Steine, Heidekraut und Wacholderbüsche zu klettern. Mama hatte Flip-Flops an, net so passend. Und dahinter war ne Weide, da standen Isis!! Ganz süße *g*. Nach dem Strand waren wir dann in Halmstad, weil wir ja das letzte Mal in Falkenberg waren. Da gibt’s sogar nen Flugplatz! Kann man hinfliegen. Gut zu wissen, gell? Die Stadt selber war aber net so schön. Finde ich zumindest. Falkenberg war schöner. Kleiner, aber schöner.
Jetzt bin ich irgendwie bissl traurig. Gerade war ich noch mal am Meer. Die Sonne war gerade am Untergehen, so goldenes Licht, weißt bestimmt was ich meine…war am Strand und hab wirklich jede Perspektive noch Mal fotografiert und mich verabschiedet. Ist irgendwie komisch, nach einem Tag, wenn man sich „verabschiedet“ schon so traurig zu sein, als sie man 2 Wochen da gewesen. Aber wie gesagt, ich hab mich gefühlt, als sei ich nie weg gewesen. Deshalb war es noch komischer, dass du net dabei warst. Du fehlst voll *schnief*. Als wir nach Halmstad gefahren sind, musste ich die ganze Zeit an unseren tollen Ausritt denken und als ich geduscht hab an unsere Duschaktion danach, weißt du noch?? Der Urlaub war toll. Ich hoffe, dieser wird’s auch.
*Fazit/Spruch des Tages*: Im Süden ist das Meer und der Strand vielleicht gepflegt und ganz nett (wobei das Meer oft arg dreckig ist!!), aber hier ist das Meer wirklich Meer. Rau, kalt, wild, naturbelassen und glasklar.



*****5.08 – Oslo, die Weltstadt*****

Heute Morgen bin ich echt super früh aufgestanden, um viertel nach 6. Weiß echt net, wieso. Das Zelt der bekloppten Schweden war noch zu, die haben natürlich noch geschlafen. Auch sonst war keiner da, als ich duschen war. Das Frühstück war bissl witzig. Wir ham gestern Brot gekauft und in Schweden hat man doch immer ne 50-50 Chance, dass man süßes Brot erwischt. Auch, wenn Wurst auf der Verpackung drauf ist kann man nicht sicher sein, dass es salzig ist, das haben wir heute gelernt. Oder besser gesagt, Papa hat’s gelernt. Aber er hat’s dann, ich denke mal zum Trotz, trotzdem mit Gorgonzola gegessen – lecker *kotz*! Wir sind dann auch relativ früh weggekommen. Und stell dir vor, als wir auf der Autobahn gefahren sind, war Glommen ausgeschildert, da wo wir reiten waren und ich konnte die Gegend, wo wir geritten sind von da aus sehen *heul*. Nen Elch haben wir heute, sehr zum Leidwesen von Mama, nicht gesehen. Dafür wurde die Landschaft immer wilder. Also überall Felsen, Kiefern und Seen. Aber die Seen waren nicht so dunkel wie in Smaland damals. Um die Mittagszeit war’s dann soweit, wir sind über den ersten Fjord gefahren!! Kurz vor der Grenze zu Norwegen. Sah so cool aus. Dann kamen wir an die Grenze, die nur irgendwie nicht existiert hat. Gab nur ne Mautstelle. In Norwegen zahlt man Maut wie in Frankreich. Haben wir nicht gewusst, toll, was? Naja, aber von der Grenze aus war es net mehr lang bis Oslo. Nur dieses kurze Stück vor der Stadt war die Hölle. Im Campingführer war der Weg zu dem Platz, den wir uns ausgesucht hatten, genau beschrieben. Es gab nur ein Problem, er hat nicht so ganz mit der Straßenführung übereingestimmt. Wir mussten uns eigentlich Richtung Zentrum halten. Aber das war die E18 und nicht die E6. Wir aber trotzdem Richtung Zentrum. Dann mussten wir die Ausfahrt „Ryen“ nehmen. Problem: Sie kam nie. Aber der Platz war ausgeschildert. Nur leider haben wir erst nachgeschaut, wie der Platz heißt, nachdem wir dran vorbei gefahren sind *Baum*. D. h. mit einem langen Gespann mitten in Oslo umdrehen. Klingt einfacher, als es ist. Wir sind durch 1000 Gassen gefahren und waren zum Schluss noch kurz Geisterfahrer, nur Gott sei Dank nur auf so ner Art Kreisverkehr…dazu kam dann noch, dass Papa total müde war und die Augen fast nicht mehr aufhalten konnte…die typische Situation eben. Wir kamen dann aber doch zurück auf die Autobahn und haben die Ausfahrt doch noch bekommen. Wenigstens haben wir so schon mal einen Teil der Stadt gesehen. Sieht wirklich toll aus, ähnlich wie Stockholm. Aber was da für Schiffe im Hafen lagen…halt richtige Kreuzfahrtschiffe…die Holland - America Line, die von Rotterdam nach Amerika fährt…das größte Schiff, dass ich je gesehn hab. Mama ist hin und weg von Oslo. Unser Platz liegt auf einem der Berge um Oslo. Von unserem Stellplatz kann man über die ganze Stadt schauen – eine Aussicht (sagt Mama jetzt schon seit ner halben Stunde)! Die Stadt ist echt sowas von riesig. Sie liegt zwischen ein paar Bergen an einem Fjord. Echt alles voll mit Häusern, bis auf den Berg gegenüber. Wie Rio de Janeiro, meint Mama. Keine Ahnung, war ich noch nie. In der Nähe gibt’s nen Aussichtsplatz, von da kann man supergut auf den Hafen und das Schloss sehen – sau geil! Bin gespannt, was morgen kommt!!
*Fazit/Spruch des Tages*: Oslo sieht von oben echt cool aus, von innen – keine Ahnung, aber Mama ist eh schon Hals über Kopf verliebt!



*****6.08 – „Oslo: die schönste skandinavische Stadt!“ - ha ha, lustig!*****
Also ehrlich. Ich bin enttäuscht. Eine Kollegin aus Mamas Geschäft hat gemeint, Oslo sei viiiiiel schöner als Stockholm…Hahahaha! Ich lach mich tot! Nein ernsthaft…die muss irgendwie besoffen gewesen sein, also ehrlich. Der erste Eindruck gestern war garnet so schlimm, aber ich war müde von der Fahrt…nicht ganz zurechnungsfähig. Oslo ist riesig, dreckig, schlechte Öffentl. Verkehrsmittel, nicht so schöne Architektur, kein „Kungsgatan“ (Einkaufmeile Stockholm),… Und dazu dann noch dieses schreckliche Wetter. Es regnet, fast durchgängig, den ganzen Tag. Dazu kommt dann noch der eiskalte Wind und perfekt ist das Desaster, hätte ich doch nur meinen Wintermantel mitgenommen! Nein wirklich, es ist sau kalt! Papa und ich hatten heute Morgen schon gar keine Lust, aufzustehen. Mama hat uns gezwungen. Also sind wir mit dem Bus den Berg runter gefahren, in die Stadt. Es war total eklig, so nass und kalt. Diana hat gezittert wie Espenlaub. Waren erst mal am Hafen, also ich glaube, du wärst ausgetickt, was da für Schiffe lagen. Aber Mama wollte ja Luxusdampfer sehen. Die lagen aber woanders. Also sind wir Geld holen gegangen, des ging erst mal ne Zeit lang. Dann hat Mama mich zum Schoppen geschleift, weil’s da ein paar Geschäfte gab. Ich hatte so null Lust, aber musste ja trotzdem. Hab dann auch ne kleine Tasche gefunden, was net schlecht is, weil ich keine kleine hab. Danach war dann aber meine Tolleranzgrenze überschritten und ich wollte Heim. Mama wollte noch ne Stadtrundfahrt machen, aber wir wollten alle (einschließlich Hund) nicht. Als wir dann auf den Bus gewartet haben (nachdem wir eine Stunde ziellos durch die Stadt geirrt sind und alle total entnervt waren), haben wir den Tourbus gesehn und uns entschlossen, doch noch zu gehen. Natürlich ist der uns vor der Nase weggefahren, heute konnte ja nichts klappen. Papa ist dann los, um zu fragen, wann der nächste fährt, Mama und ich haben gewartet. Nach ner halben Ewigkeit is Mama dann in nen Laden rein, kaum war sie weg, is Papa wieder gekommen…ich war sooo wütend, der Tag war so im Ar***!! Als ich dann nämlich gesagt hab, dass ich keinen Bock mehr hab, hat sie so ein Gesicht gezogen. Irgendwann hatten wir dann auch unsere Buslinie ausgetüftelt und ich war mehr als stinksauer. Sch*** Wetter, hässliche Stadt, Stress und Mama, die net genug bekommt und über Leichen gehen würde für ihre blöde Stadttour. Zuhause haben wir dann den ganzen Nachmittag O.C, California geschaut. Hab meine Eltern auch schon infiziert. Mama wollte dann noch mal in die Stadt, aber wir drei haben gestreikt, der Hund kam stundenlang nicht mehr aus dem Korb. Morgen reisen wir ab. Ich hoffe, da wird’s besser, sonst krieg ich nen Anfall!
*Fazit/Spruch des Tages*: Wer auch immer behauptet, Oslo sei schöner als Stockholm hat ein ziemlich verquertes Weltbild oder einen gewaltigen Schuss (oder beides) und bekommt von mir persönlich eine auf die Mütze!



*****7.08 – Norwegen - Wow! Herr der Ringe lässt grüßen!*****
So, jetzt sind wir also in Norwegen. So richtig und mittendrin. Aber bis wir da waren…ein Abenteuer pur! Am Morgen sind wir erst spät weg, weil wir uns noch von der Stadt „verabschiedet“ haben. Von weit weg, Gott sei Dank und eines ist sicher: ich weine ihr keine Träne nach! Dann gings los. Bis wir aus der Stadt raus waren, ging es ewig. Unsere Strecke waren ungefähr 450km und das nur Landstraße. Am Anfang sah es echt aus wie in Smaland; Seen, Felsen und Kiefernwälder…aber dann 100km vor Eidfjord, wurde die Landschaft total anders. Es ging eben die ganze Zeit bergauf und plötzlich wurden die Bäume immer kleiner, nur noch so Krüppelbirken und an der Seite gab es wie im Schwarzwald so Stöcke, damit der Schneepflug die Straße findet. Nur mit einem Unterschied: die Stöcke waren 3m hoch!! So hoch liegt da im Winter der Schnee. Wir sind dann immer und immer höher gekommen, bis es keine Bäume und auch kein Gras mehr gegeben hat. Nur Geröllhaufen, Felsbrocken und Flechten. Und es wurde immer kälter, 7,5°!! Überall gab es noch Schneereste, so genial! Und man konnte Gletscher sehen! Und kleine Gletscherseen und Wasserfälle, total schön. Häuser gab es ganz oben keine, nur eine Samensiedlung (Indianer Skandinaviens). Hier in der Nähe ist ja auch das Fjell und ein Naturschutzgebiet, in dem Rentiere weiden. Als wir dann endlich mal wieder eine Häuseransammlung gesehen haben (noch oben auf dem Pass), war da auch ne Koppel. Ich so: „Mama, da stehen bestimmt deine Rentiere!“ Pustekuchen, rat mal, was da stand? Isländer! Hier in der Gegend hab ich, wenn ich Pferde gesehen hab, nur Isis gesehn. Klar, hier fühlen die sich ja auch wie zuhause, ist auch auf Höhe Island. Von Bergen (110km von hier) aus geht ja auch eine Fähre nach Island. Aber was ich auch krass finde, hier gibt es nicht nur Rentiere, sondern auch Wölfe und Bären! Vorhin waren wir schon in dem kleinen Ort hier und haben an den Felsen gegenüber das Alpenglühen gesehen. Später war der ganze Fjord blutrot. Unser Campingplatz liegt auf einem kleinen Plateau oberhalb. Mal schaun, wie ich hier schlafe. In Oslo hab ich schlecht geschlafen, weil’s da nicht wirklich dunkel geworden ist, erst um 12 oder so…hier scheint’s nicht so zu sein. We’ll see.
*Fazit/Spruch des Tages*: Rogaland – wo sich Rentier und Bär bzw. Wolf gute Nacht sagen!



*****8.08 – Wie am Bodensee – nur ca.… 2000km weiter nördlich?*****
Also hier habe ich gut geschlafen. Und du wirst es nicht glauben, als ich aufgewacht bin, hat die Sonne geschienen! Auf unserem Campingplatz gibt es nur Kirschbäume. Also wir stehen unter Kirschbäumen. Man hat das Gefühl, man ist irgendwo am Bodensee auf einem Bauernhof, oder so. Nur das wir…ein kleines Stückchen weiter im Norden mitten in Norwegen an einem Fjord sind. Komisch, was? Aber das allerbeste ist…hier ist gerade Hochsaison! Also was die Kirschen angeht. Die zwei Bäume, die bei uns auf dem Platz stehen hängen total voll (sie waren voll, bis Papa drei mal täglich ein Kilo geerntet hat, darf man nämlich!). Hier kannst du alle 10m Kirschen kaufen, aber ich sage dir…solche Kirschen hast du noch nie gesehen. Die sind ungelogen fast so groß wie eine Walnuss. Die Düngen hier irgendwie ganz besonders. Auf jeden Fall sind die unteren Hänge der Berge voll mit Obstplantagen, wie am Bodensee. Mama und ich sind schon in den 1,5km entfernten Ort (Lofthus) gelaufen. Da gibt’s sogar nen Schreibwarengeschäft, einen Supermarkt, einen Frisör, einen Fotoladen und – ganz wichtig- eine Touristeninformation. Der Ort besteht vielleicht aus 20 Häusern, ungelogen. Das witzigste war aber, als Mama und ich nach Hause gelaufen sind, hab ich sie total abgehängt. Da geht’s eben bergauf und sie war total am hecheln *hihi*, bin ich net gemein?? Heute Abend gab es wieder einen so tollen Sonnenuntergang, wie gestern. Ok, also ich fand ihn nicht so toll, rote Wolken kann ich auch zuhause haben, Alpenglühen und einen blutroter Fjord aber nicht, den gab’s gestern leider nicht. Mama wollte mich die ganze Zeit dazu bewegen, mit ihr zu einem Aussichtsplatz zu gehen, aber ich hab lieber meine Story zu Ende geschrieben. Ja, du hast richtig gelesen: Ich hab’s geschafft, sie ist fertig, der letzte Satz ist geschrieben *heul*! Naja, ok, also zumindest ist die Handlung beendet. Ich werde wohl noch zwei oder drei Kapitel völlig neu schreiben, von daher hab ich noch nicht den letzten Satz in dieser Story geschrieben…was mache ich denn, wenn sie vorbei ist?? So, jetzt muss ich aber, wir schauen weiter O. C. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich die mit einer Teenieserie angesteckt habe. Ok, sowas dürfte ich nicht schreiben, weil es eine Beleidigung für mich selbst wäre, da ich die Dinger hasse und außerdem schaut die Kathi die auch und mit 34 ist man kein Teenie mehr, oder? Außerdem hat die einen großen Vorteil gegenüber den anderen: Sie hat ne Handlung, die mal was anderes ist. Nichts Alltägliches und auch interessant. Hey, wenn Papa das sagt…und er ist sehr schwer zu überzeugen! Ok, zu viel gefaselt…
*Fazit/Spruch des Tages*: Also irgendwie habe ich das Gefühl, hier werden alle verrückt. Tja, warum wohl?



*****9.08 – SONNE!!!!!!! (Sagt schon alles)******
Ok, habe ich gestern gesagt, dass es hier schön ist, wenn die Sonne ein bisschen scheint? Tja, da wusste ich aber noch nicht, wie schön es hier ist, wenn der Himmel wolkenlos ist!!! Stell dir vor, heute Mittag konnte ich sogar im Shirt hier rumlaufen. Kein dicker, schwarzer Kapuzenpulli (Kathi hätte mich gekillt, wenn sie wüsste, dass ich 5 Tage am Stück damit rumgelaufen bin (und wenn nicht, hatte ich meine schwarze Jacke an), sie hätte mir wieder vorgeworfen, depressiv zu sein). Heute Morgen hat Papa das komischste aus dem Wald mitgebracht, was ich je gesehen hab. Es waren Beeren, Jobeeren, um genau zu sein. Die sehen aus wie Himbeeren, sind aber so gelb-orange durchsichtig. Ganz komische Dinger. Aber dann ist mir eingefallen, dass ich die schon mal auf einem Foto im IKEA gesehen hab. Die gibt’s anscheinend auch nur im Norden. Mama und ich waren heute wieder einkaufen und unten in der Touristeninformation. Da konnte ich dann ins Internet gehen, ich hoffe, du hast die Mail bekommen. Auf dem Rückweg zum Platz hab ich Mama wieder abgezogen, dabei habe sogar ich den schweren Rucksack genommen (also mein Schulranzen ist schwerer, mit dem Ding wäre ich sogar Joggen gegangen! Wenn ich den Joggen gehen würde *lol*). Danach waren Hundi und ich dann spazieren. Ich hab mich nicht wirklich weit getraut, ich meine, was mache ich, wenn ein Wolf oder ein Bär um die Ecke kommen? Ok, also das ist kindisch, ich weiß, trotzdem… Aber dafür hab ich einen wunderschönen Aussichtsplatz gefunden. Da gibt es so eine Art Klippe oder was weiß ich, eben einen Felsen, der 20km über dem Campingplatz liegt. Da kann man seine Füße baumeln lassen und über den ganzen Fjord schauen. Was mich ja fasziniert ist, dass das wirklich Salzwasser ist. Es riecht wie am Meer, es gibt Tang und Miesmuscheln und trotzdem sieht es eher aus wie der Lago Maggiore. Ok, zurück zu meinem Aussichtspunkt. Ich war ganz lange oben mit dem Hund zusammen und hab gezeichnet und mir dabei den Abendhimmel angeschaut. Morgen machen Mama und ich eine Fjordfahrt. Papa hat dann genug Zeit, sein Gutachten fertig zu schreiben, an dem er schon seit gestern arbeitet. Er macht als Zusatzarbeit private Gutachten und das hier muss er einen Tag nach unserem Urlaubende abgeben. Dann fahren wir vielleicht mal nach Bergen und Papa kann endlich mal angeln gehen. Vielleicht fahren wir mal nach Odda, um nach einer Reitmöglichkeit zu fragen. Ich weiß, der Name klingt komisch. Aber der komischste Nr. 1 ist immer noch „Geilo“. So hieß ein Ort vor dem Hardangar Pass. Bin gespannt auf die Fjordtour. Jetzt das Abendritual: O. C.!!
*Fazit/Spruch des Tages*: Ok, also „Geilo“ ist nicht das Komischste (und Lustigste), was die Welt als Stadtname zu bieten hat. Es gibt etwas viel Besseres, was sogar „Knüllwald“ schlägt: „Luschendorf“! Ernsthaft, das existiert!



*****10.08 – „Fjorde sind tief…seeehr tief!“*****
Ok. Die Fjordtour. Also, wenn ich sie in einem Wort beschreiben müsste…HAMMER! Nein ehrlich. Ok, ganz von vorne. Mama hat gestern beim Waschen eine Schwäbin aus der Nähe von Stuttgart kennen gelernt. Die hat eine 18-jährige Tochter. Auf was für eine glorreiche Idee die gekommen sind, kannst du dir denken. Genau. „Die kennet mir doch zamme bringa!“ – ja, genau! Nur, wie wäre es mal, uns vorher zu fragen?! Ok, also heute Morgen um 10 standen wir unten am Hafen und ich war schon voller Vorfreude (Vorsicht, Sarkasmus), auf was da kommt. Mama hat schon den ganzen Tag gesagt, dass die wahrscheinlich voll einfach gestrickt sein würde, die Eltern seien Religionslehrer oder so. Leider hab ich das irgendwie nicht geschafft, ihr zu vermitteln, dass, wenn die Eltern Religionslehrer sind, es die Tochter trotzdem nicht davon abhält, die größte Tussi des Jahrhunderts zu sein. Zu meiner Überraschung war sie dann aber doch…ziemlich normal und auch ganz nett. Sie war wirklich sehr nett. Trotzdem, so als Freundin hätte sie zu mir glaub ich nicht gepasst... Egal…sie hatte noch ne kleine Schwester (so 12 glaub ich) und nen Bruder so alt wie wir. Also sorry, der war irgendwie unterbelichtet. Weiß net warum, aber war einfach so. Nett war er, aber unterbelichtet…ich würde sagen, so Streber-Typ. Die Kleine war ganz witzig, aber wollte sich die ganze Zeit mit mir unterhalten. Unterhalten haben wir uns hautsächlich über Schule (ich dachte, meine Schule sei chaotisch, aber was ich von denen gehört habe, lässt meine Schule wie eine streng katholische Lernanstalt wirken…nein ehrlich, das war schlimmer als in dem schlimmsten amerikanischen Highschool-Film) und Pferde. Die sind früher auch mal geritten, Trakehner. Ok, also mir soll’s recht sein.
Geredet haben wir hauptsächlich auf der 1,5-stündigen Bootsfahrt nach Eidfjord (Ort). Die Berge sahen irgendwie gleich aus, wie die vor unserem Platz, also viel Neues hat man net wirklich gesehen. War aber trotzdem cool. Dann sind wir mit einem Buss in das Hardangar Vidda Museum gefahren. Da haben wir einen Film über das Naturschutzgebiet gesehen (den wir gekauft haben und den ich dir, wenn möglich auch mal zeige, weil der über den Pass, über den wir gefahren sind, ging) und waren noch paar Sachen ausgestellt, wie z. Bsp. echte Fische. Danach gings dann weiter über die Passtrasse, die wir mit dem Auto gefahren sind, hoch an den Vöringfossen. Das ist der größte Wasserfall Norwegens. 180m insgesamt und 135m freier Fall. Das war so krass, ich hab ja noch nie wirklich nen richtigen Wasserfall gesehen. Nach ungefähr ner halben Stunde gings dann mit dem Buss zurück nach Eidfjord und mit dem Schiff zurück nach Lofthus. Im Hardangarfjord gab es dann doch noch ein paar Wellen…und wir waren auf einem Katamaran…ich HASSE die Dinger. Ich werd doch so schnell seekrank. Hat sich dann aber gelegt, als wir in den Eidfjord gekommen sind. Da ist das Meer nicht so nah, denk ich mal. Am Hafen haben wir uns dann von den Schwaben verabschiedet (ich musste so aufpassen, alles zu verstehen, die haben tiefstes Schwäbisch gesprochen, selbst die Kinder). Im Touristbüro haben wir dann noch die Fähre nach Hirthals gebucht und ich hab wegen dem Strandritt in Dänemark angefragt. Wenn das klappen würde – wieder ein erfüllter Traum!!
*Fazit/Spruch des Tages*: Wenn Eltern irgendwelche Versuche starten, ihre Kinder zu befreunden, kann nur Mist bei rauskommen. Meine ich.



*****11.08 – Norwegen besteht nur aus Bergen – so ein Mist!*****
Wer hätte das gedacht? Ich sitze hier gerade in der Telemark. Ja, genau, da wo der Telemark herkommt. Heute Morgen war so schlimmes Wetter, die Wolken gingen fast bis zu uns runter an den Platz. Wir hatten alle schlechte Laune. Das heißt, ich bin gar nicht erst aufgestanden. Und da haben sie entschieden (meine Eltern), dass wir weiter fahren. Um 12 Uhr waren wir dann mal irgendwie fertig und sind losgefahren. Papa hat schon die ganze Zeit Angst davor gehabt, wegen den Bergen. Da erhitzt sich das Öl und der Motor, da kann der dann am A**** gehen und bergab gibt’s Probleme mit den Bremsen vom Wohnwagen. Dazu kam dann noch, dass die Straße fast einspurig war, also wenn ein Lastwagen kam, war das Millimeterarbeit. Und nebendran kam dann gleich der Abgrund, mit etwas Glück durch eine 30cm Mauer begrenzt. Ich saß vorne und hatte fast so viel Angst wie Papa. Mama hinten hat des net gestört, sie hatte nur Augen für die tolle Landschaft, hat sich beklagt, dass sie noch keine Pilze gefunden hat und hat dauernd gefragt, ob sie uns net vorlesen soll, auf welchen Platz wir gehen. Ich hätte sie zwischendurch echt killen können. Mit der Zeit wurde ich dann auch bisschen ruhiger, als Papa ruhiger geworden ist und des sogar mit dicken LKWs gemeistert hat, aber als es dann bergauf ging, hab ich wieder total Schiss bekommen. Und es ging immer weiter und immer weiter. Gott sei Dank war die Straße dann ab da zweispurig (sogar mit Mittelstreifenbegrenzung). Und Papa die ganze Zeit: „Oh je, dass müssen wir alles auch wieder runter – oh je, oh je!“ – beruhigend, was? Weil bergab is noch schlimmer, als bergauf für das Auto. Es gab dann auch wieder riesen lange Tunnel, wo’s dann auch mal 4km im Tunnel bergab ging…ganz toll. Ging immer mal rauf, dann wieder ein Stück runter, dann unter einem Berg durch…bis wir ganz oben auf der Telemark waren. Also da war’s fast noch schöner, wie auf dem Hardangar Vidda. War eben auch schönes Wetter. Wir sind vorher eine ganze Zeit lang an einem Fluss entlang gefahren, da ziehen die Lachse, hat Papa gesagt. Da gab es dann auch diese Stufen, so Mini-Wasserfälle und eben totales Wildwasser…sah so geil aus! Oben auf der Telemark waren dann überall kleine Quellen und Gletscherflüsse, die in kleine Bergseen gemündet sind. Dazu gab es dann dieses dunkelgrüne Moos und die grün-schwarzen Steine…sah noch mehr aus wie in Island, wie auf dem Hardangar. Also war so richtig, richtig toll. Haben dann auch da Mittagspause gemacht, mit Blick auf einen verschneiten Berg. Ich hab schon so viele Fotos, ich werde noch zum Japaner mit der Kamera, weil die ja erst ein 300-Fotos-Limit hat.
Jetzt sitze ich hier an so einem kleinen See kurz unterhalb des Fjells…sagen wir mal so 500-700m weiter unten. Ein Gletscherfluss führt durch den See und wir haben einen kleinen Platz direkt an der Mündung. Ich höre ihn noch rauschen, weil gleich bei der Mündung wieder so ein bisschen Wildwasser ist. Da geht auch eine Brücke drüber. Da waren wir gerade spazieren, mit dem Hund. der Wald nebendran ist voll von Heidelbeeren und Pilzen, aber leider keine Pfifferlinge. Mama sucht die ganze Zeit, Papa schaut nach Fischen und ich…ich hab nen richtigen Fischotter gesehen! Der ist da getaucht und hat Fische gejagt – so süß! Außerdem liegt im Wald Elchmist und nicht wenig. Die Schwaben waren ja auch vorher hier irgendwo und haben 3 Elche im See gesehen – eine Mutter und ihre 2 Kälber beim Schwimmen. Sie haben’s gefilmt und uns das Video gezeigt. Mama wird heut Abend hier warten, ob ein Elch kommt. Und ich muss sagen, die Chance hat sie. Ich hatte im Wald eher Angst einem Bären zu begegnen, hier ist absolute Wildnis. Auf unserem Platz sind außer uns auch nur 4 Norweger. Erinnert mich bisschen an Steninge, von der Atmosphäre her. Gerade sitzen Papa und ich am Tisch direkt am Seeufer und schauen einem alten Norweger beim Angeln auf dem See und zwei Graureihern beim spielen zu. Ist echt wunderschön hier. Das Wasser ist so klar, du kannst bis auf den Grund sehen, fast 4m tief. Und das Wasser ist so smaragdgrün, von dem Gestein. Und es ist wunderbar warm, die Sonne scheint und der Wind ist nicht kalt…ich kann dank Verlängerungskabel draußen schreiben – was will man mehr? Keine Ahnung, wann wir weiter fahren, vielleicht machen wir auch einen Tag Pause. Ist ja auf dem Weg nach Kristiansand. Da fahren wir dann mit der Fähre. Aber das Schlimme ist, bis da runter sind es alles so Berge wie hier. Ich hab richtig Angst und will eigentlich so schnell wie möglich einfach ans Meer…da is alles flach und topfeben. Bin mal gespannt, wie es weitergeht! Jetzt werde ich erstmal meine Stories weiterschreiben!!!
*Fazit/Spruch des Tages*: Ganz Norwegen besteht aus solchen Bergen - Hilfe!



******Einschub*****
So, also erstmal vorneweg: ich bin echt froh, dass ich dir das hier noch schreiben kann. Und nicht aus der Perspektive von wegen, dass ich schreiben kann oder mir einen Finger abgehackt hab oder so, sondern…ja, das wir noch da sind. Gestern haben Mama und Papa doch Pilze gefunden…die erste Ladung haben wir gleich gekocht (sie haben noch ne Zweite gefunden, unter anderem einen Riesen-Pilz, dessen Hut so groß war wie drei von meinen Handflächen). Ich mag ja net so gerne Pilze und hab Gott sei Dank (oder doch nicht?) nur die Soße gegessen…auf jeden Fall, als Papa und ich von unserer allabendlichen O.C.-Session aufgestanden sind, wurde mir plötzlich schlecht und Papa…musste dringend aufs Klo. Mama hat die Pilze nämlich nicht genau gekannt, die sie da gefunden hat. Die haben Pilzen, die sie kannte, nur ziemlich ähnlich gesehen, hätten ne kleine Abwandlung sein können…na egal. Auf jeden Fall hatte ich eine tolle Nacht (Vorsicht, Sarkasmus!). Am nächsten Morgen war mir immer noch schlecht und ich glaube, ich hab mir mit der ganzen Kotzerei den Hals weggeätzt. Sorry für die…äh, zivilisierten Worte, aber bin grade nicht in der Stimmung zu…na ja, also Mama und Papa mussten nur beide öfters aufs Klo, ich war irgendwie die Einzige, bei der’s vorne raus ging. Jetzt bin ich froh, dass du nicht dabei warst. Ich glaube, du wärst durchgedreht und hättest Mama wegen Mordversuch angezeigt (Scherz *g*). Ne, aber wäre bestimmt keine tolle Erinnerung gewesen (nicht, dass es das für mich wäre).



*****12.08 – Chaos Days*****
So, also nach dieser Nacht hatte ich genug. Genug von diesen Bergen, der Wildnis und den Pilzen sowieso. Bisher hab ich sie nur nicht gemocht, jetzt hasse ich sie. Egal. Wir sind heute Morgen gleich losgefahren, Richtung Meer (endlich!). Aber Papa hat die ganze Zeit Schiss gehabt, wegen den Bergen, die noch kommen sollten. Meiner Meinung nach wurden die Berge immer flacher, aber er hat darauf bestanden, dass wir einfach nur so hoch oben sind, dass das so aussieht. Ja, klar! Was wir dann rausgefunden haben, war aber ziemlich erschreckend. Die Straße, die sie uns in Lofthus empfohlen hatten (direkt nach Kristiansand) führt über eins der besten Skigebiete Norwegens. Sehr hoch, sehr kurvenreich, einspurig, Serpentinen. Mit einem Wohnwagen! Das ging schon mal gar nicht. Also haben wir uns entschieden, eine Schleife zu fahren, die uns schon fast wieder bis nach Oslo bringt… Heute Mittag kamen wir dafür aber dann noch an einer kleinen Attraktion Norwegens vorbei, die ich als geschulter Künstler (wir sind nicht eingebildet oder so, Neeein *gg*) auf keinen Fall missen wollte…Norwegens größte und schönste Stabkirche in Heddal. Also die war richtig geil. Außen hat es nach Teer gestunken, drinnen, als hätte jemand ein Lagerfeuer veranstaltet, aber sie war trotzdem so genial. 1147 gebaut, man konnte noch die originalen Wandmalereien sehen. Paar der Balken waren total schief *g* In der alten Pfarrscheuer nebendran gab es dann noch eine Ausstellung…die Geschichte der Kirche (1851 von einem Dänen verändert, „christlich“, groß gebaut; 1952-54 von örtlichen Künstlern wieder in die ursprüngliche Form zurück restauriert), Die Trachten der Leute in der Telemark und ein paar Stücke aus der alten Kirche (Weihrauchdingens, des was man so rumschenkt (glaub ich, hab da doch keine Ahnung), des sie nimmer brauchen (sind ja jetzt evangelisch)) und anderes. Total interessant. Mama fand auch den alten Friedhof supertoll, da kann ich mich jetzt net unbedingt so für begeistern. Nach dem Kirchenbesuch haben wir dann einen Platz gesucht – und gefunden. „Norjö Ferienland“, einer der besten 4 Sterne Plätze Norwegens…nobel hobel. Da konnte man Wasserski an so einem Aufzug fahren und riesengroß…mitten in der Einöde! War mir zu groß und zu voll, ehrlich gesagt. War net gemütlich. Außerdem muss man hier überall eine Karte benutzen, um rein zu kommen, wie damals in Trelleborg, weißt du noch? Nach dem Essen haben Mama und ich die restlichen riesen Himbeeren (so groß wie Erdbeeren) zu Marmelade verkocht…hat auch noch geklappt! Schließlich haben wir uns dann alle vor dem Heimkino zusammen gefunden, um die letzten zwei Folgen O.C. zu schauen *heul*. Hab die letzte CD zuhause vergessen. Was machen wir ohne unser Abendritual? Jetzt haben wir nur noch die Star Wars CD und Findet Nemo. Jetzt schlägt mich Mama gleich, wenn ich nicht ausmache (würde sie nur lieber die eine Schnake schlagen, die hier rumfliegt…wir kommen in den Süden und sind direkt am Seeufer), also…see you next time!



*****13.08 – Stockholm-Feeling at last!*****
Wie vermutet hatten wir keine Berge mehr. Nach einem kurzen Stück kamen wir auch gleich an die Küste…nur, dass man auch genauso gut irgendwo anders hätte sein können, da man das Meer vor lauter Bäumen nicht gesehen hat. Nur ab und zu sind wir an so kleinen „Mini-Fjorden“ vorbei gekommen oder drüber gefahren. Und die haben ausgesehen wie der Fluss in Stockholm, wo wir mit dem Boot nach Drottningholm gefahren sind. Felsen (Schären), Kiefernwälder und einzelne Häuser (auch auf kleinen Inseln mittendrin). Rast haben wir an einer Raststation direkt an einem kleinen See gemacht. Da haben ein paar verrückte Norweger natürlich baden müssen. Auch in den Mini-Fjorden haben sie bei 20°C gebadet *zitter*. Tja und nach einer Stunde Fahrt war es dann soweit…wir standen im Stau. Kurz vor Kristiansand. Wegen einer Mautstation, dachten wir zumindest. Hat sich dann aber rausgestellt, dass es wegen einem Fußballspiel war; das Stadion lag direkt (mehr oder weniger) neben unserem Platz. Unser Platz liegt direkt (oder fast, 100m) neben dem Meer. Oder eben so einem kleinen Mini-Fjord. Diani und ich waren gleich auf Erkundungstour. Unser Platz liegt gleich neben dem Yacht-Hafen (Papa ist fast durchgedreht) und hat zwei kleine Badebuchten aus Sand zwischen den Schären. Diani und ich sind dann am Wasser entlang auf den Felsen entlang geklettert und haben so viele Krebse, Schnecken und Muscheln gesehen! Da war ein riesen Krebs (der Größte, den ich gesehen hab, der Körper war 5cm!), dem hab ich das Ende der Hundeleine hingehalten und er hat sich so drin verkrallt, dass ich ihn hab aus dem Wasser heben können. Er hatte nur noch eine Schere. Als er dann gemerkt hat, dass die Leine nix zu essen is, hat er losgelassen und is weggerannt. Diani und ich sind weiter geklettert. Da gab es dann am Rand einen Tang-Wald und gaaanz viele Fische. Also Papa kann hier bestimmt gut angeln. Das haben wir auch später gemerkt, als wir noch spazieren waren. Wir sind hier am östlichen Stadtrand und es ist wie ein kleines Küstenstädtchen. Wir sind im Hafen rumgelaufen, weil Papa ja die Boote sehen wollte. Da waren dann ganz komische große, rote Fische rumgeschwommen. Und Quallen. Eine tote und eine lebende Feuerqualle. Sorry, aber hier geh ich nicht ins Wasser. Dann haben wir hier noch die Häuser angeschaut. Also ich muss sagen, in Norwegen ist echt alles bissl gammelig. Die Häuser sind (wenn sie gestrichen sind) unordentlich gestrichen und sehen aus, als würden sie bald zusammenfallen. So war’s zumindest in Lofthus und in Südnorwegen war’s noch schlimmer. In Schweden ist alles so süß, gepflegt und ordentlich. Hier is alles…gammelig, ungepflegt und…morbide. Wir sind natürlich, als wir rumgelaufen sind, auch am Stadion vorbei gekommen. Das war voll…! Und total laut. Witzig. Jetzt sitze ich gerade wieder vor’m Wagen und kann kaum schreiben, weil die Möwen hier so einen Krach machen („Meins! Meins! Meins!“ – die fliegen über uns im Kreis, eine hat was im Schnabel und die andere jagt sie). Also ich muss sagen, mir gefällt Kristiansand. Ein gewisser Bonus ist wohl, dass es hier aussieht, wie in Stockholm. Und ich weiß, dass ich eigentlich nicht mehr den Morgen vor dem Abend loben sollte (*hust…Oslo…*hust*), aber ich tue es. Weil es hier einfach supertoll ist. Und das ist nicht nur das warme Wetter, die angenehme Wassertemperatur oder das klare Wasser. Die Atmosphäre. Und das ist toll. Außerdem…morgen Nacht um 1.15 Uhr gehen wir auf’s Schiff. Dann haben wir eine 6-stündige Überfahrt von Kristiansand nach Hirthals. Ich bin total aufgeregt! Eine Nachtfähre…uah. Bin ganz gespannt. Morgen gehen Mama und ich uns noch die Stadt anschauen. Werde Bericht erstatten, ob sie schön ist.
See you tomorrow!
*Fazit/Spruch des Tages*: Kristiansand ist toll, Stockholm-like, tolles Wasser, viele „Meins!“ und eine Nachtfähre!!!!!



14.08 – Kristiansand
Hey, also diesmal hat mich mein Spürsinn nicht verlassen, Kristiansand WAR toll! Mama und ich sind gleich morgens mit dem Bus losgefahren. Der Busfahrer war total witzig, wir haben’s mit dem Geld wieder net geblickt. Endlich im Zentrum, mussten wir dann die Touristen Information suchen, weil ich ja im Internet wegen meiner Anfrage wegen dem Strandritt schauen musste und wir einen Stadtplan gebraucht haben, damit wir den Bus zurück wieder finden und Papa später den besten Weg zum Hafen findet. Die haben wir erst nicht gefunden, obwohl es überall so tolle Wegweiser waren. Nur haben die irgendwie in die falsche Richtung gezeigt, keine Ahnung. Haben dann nach nem Internetcafé gefragt, des war Meilen entfernt. Als wir da waren, war es zu, hat aber in ner Stunde auf gemacht. Das hat uns aber nicht entmutig und wir sind am Hafen entlang zum Fährhafen gelaufen. Da lag ein Schiff, die „MS Kristiansand“ (was übrigens genau das Schiff ist, mit dem wir heute fahren), super riesig. Mama und ich hatten dann die gute Idee, doch schon mal unsere Karten zu holen, damit wir das heute Abend nicht noch machen müssen. Haben wir auch bekommen (war voll schön da drin (Büro)) und was war da direkt in Sichtweite, als wir raus kamen? Die Touristeninformation! Also, da hingelaufen. Mama hat den Stadtplan und noch ganz viele Hefte gefunden, über unsere Gegend bei Eidfjord, über die Fähre usw. und ich konnte sogar direkt da ins Internet. Und dann – ich hatte eine Antwort! Ganz lieb: „Hallo Anna! Wir haben noch einen Platz am Dienstag um 16 Uhr frei!“ Hab ich zurück geschrieben, dass ich den nehme, wenn er noch da ist. Haben auch schon einen Campingplatz in der Gegend ausgesucht und die Route im Routenplaner geplant. Schließlich haben Mama und ich mit dem Stadtplan und dem Busplan unser Haltestelle gefunden (die 10 Ecken von der Haltestelle der anderen Richtung entfernt war) gefunden. Und was war? Derselbe Busfahrer. „Hello again!“ meinte er nur, als ich zwei Tickets verlangt hab *g*. Als wir zurückgekommen sind, folgte dann der nächste Kracher – Papa hat sein Gutachten fertig!!! Alle waren happy und dann sind wir hinten an den Strand, um die Ecke gab’s ne kleine Bucht, wo keiner war. Papa hat versucht zu angeln. Wir hatten nur keine Köder. Papa ist dann auf Lachs gegangen – mit einem Coladeckel als Köder. Überleg mal, wenn er einen gefangen hätte. „Ja, mein Vater hat mitten im Hafen einer Großstadt mit einem Coladeckel einen Lachs geangelt“ – die hätten mich doch gleich in die Geschlossene geschickt! Um 18 Uhr (nach 2 Stunden) mussten wir dann gehen, weil Mama noch waschen musste und da erst die Rezeption aufgemacht hat, wo man die Chips kaufen kann. Wir haben schon alles abgebaut und jetzt hockte ich hier auf dem kleinen Tritthocker mit dem PC auf dem Schoß, die Schnur hinter mir aus dem Küchenfenster nach draußen, drinnen an der Steckdose, und alle Leute, die vorbei kommen, starren mich blöd an. Klar, mit PC, des sieht bonzig aus. Aber ist mir egal, ist ja auch nicht meiner. Wir warten nur noch, bis der Trockner fertig gelaufen ist, dann fahren wir zum Hafen. Ungefähr – 4 Stunden zu früh. Null Ahnung, was wir dann noch machen sollen. Dann geht es los. Ich bin jetzt schon sowas von aufgeregt. Dann in Dänemark noch der Strandritt und vielleicht bleiben wir noch einen Tag in der Heide, dort auf dem tollen Campingplatz im Soltau. Also ich glaube, danach kannst du mich wegschmeißen. Ein Highlight nach dem anderen. Bin schon ganz zittrig. Es ist noch nicht klar, ob wir Kabinen haben, aber ich schätze mal schon. Der Hund muss leider 6 Stunden im Auto bleiben, aber besser das, als ihn in eine Transportbox in einen gesonderten Bereich bringen zu müssen. Bin so gespannt auf die Fähre *kreisch*. Ok, also ich schreie hier nicht rum, kennst mich ja, aber innerlich…oh Gott, ich schreibe schon wieder Mist. Naja, bist ja dran gewöhnt. Also. Jetzt hab ich den ganzen Tag erzählt und jetzt kann ich Däumchen drehen gehen. Seeehr toll. Oder Hey, noch besser, ich könnte zur Abwechslung mal weiterschreiben. Ja! Das wär’s doch! Mal schauen, ob ich mich aufraffen kann, Kapitel 3 ist so ein Todpunkt bei mir, ich will irgendwie nicht…aber ich muss ja. Ok, ich werde es versuchen…Hilfe, bin zu aufgeregt!!!
*Fazit/Spruch des Tages*: Fällt mir grad keiner ein, bin zu aufgeregt…aber Kristiansand ist toll *gg* STRANDRITT!!!!!



*****15.08 – M/S Christian IV*****
Wir sind wieder auf festen Boden. Nix passiert, obwohl ich mir (mal wieder, wie immer) tausend möglich Katastrophen ausgemalt und schon Papa mit Fragen gelöchert hab, von wegen wie weit der Sog des untergehenden Schiffes einen mit runter zieht, wenn man kein Rettungsboot bekommt (eindeutig zu viel ‚Titanic’ geschaut) usw. Es war ja die letzte Nachtfähre für dieses Jahr, am nächsten Tag war in Norwegen die Hauptsaison zu Ende. Ich hab mir auch total Sorgen gemacht wegen dem Hund, weil wir ihn ja net hätten retten können, wäre was passiert. Da werden ja die Decks gesperrt. Versteh nicht, warum der Hund nicht mit rauf konnte. Von außen hat die MS Christian IV voll riesig und glamourös ausgesehen. Sie war ein Schiff von der Color Line, die führend ist in Sachen Fähren. Innen war es dann aber nicht so farbenfroh. Es war total gammelig. Oder…morbide…so wie das ganze Land. Kennst du diesen ekligen Geruch in alten, dreckigen Zügen? Schweiß, Alkohol, alte Zigaretten. Genauso hat’s da gerochen, nur leider nicht nur eine kleine Ecke, wenn man nah mit der Nase ran ist, sondern die Luft im ganzen Schiff war so. Da hätte sogar ein eklig dreckiger, stinkender, nasser Hund keinen Unterschied gemacht. Deshalb hätte unsere saubere kleine Diddi doch mit hoch gehen können… Wir haben Hundi im Auto gelassen, mit dickem Teppich im Körbchen, leergeräumtem Kofferraum und der Wasserschüssel. Hat sich dann rausgestellt, dass wir natürlich keine Kabinen hatten. Also sind wir 6 Stunden in so einer Halle herumgehockt. Es gab noch nicht mal Bänke, nur so unbequeme Sitze. Mama und ich sind draußen gestanden, als das Schiff abgelegt hat. Das ganze Wasser war voller Quallen – äh!! Bis es den Hafen verlassen hat, sind wir draußen an so einem Art Balkon gestanden. Von unserer Halle aus konnte man durch eine Tür nach draußen. Aber irgendwann wurde es dann doch zu kalt und wir sind rein. Wir haben uns dann die Zeit mit Einkaufen (da gab’s nen „Taxfree Shop“, der von 1-3 Uhr und dann noch mal von 5-6 Uhr auf hatte) und ich dann mit Lesen vertrieben. Papa hat geschlafen, Mama zwischendurch auch halb, saß eben nur so rum. Ich bin zwischendurch immer mal raus, aber war saukalt + dunkel und mitten auf dem Meer…da krieg ich immer Zustände. Ich wurde aber irgendwie auch nicht müde. Irgendwann war es dann 4 Uhr und als ich raus geschaut hab (hatte ich ne Zeit lang nicht, hab gelesen), war schon ein heller Streifen am Himmel! Mama und ich raus, in Jacken und Pullis eingepackt und geschaut. Mama wurde es dann zu kalt und sie ist rein. Ich bin den ganzen Sonnenaufgang über draußen gestanden. Mein Zweiter Sonnenaufgang auf dem Meer. Aber der erste, den ich richtig mitbekomme; beim anderen war ich von einer Schlaf-Anti-Kotz-Tablette ausgeknockt. Und für mich als Künstler *hust* war es noch ein ganz besonders schöner. Ich weiß nicht, wie manche Leute sagen können, der Himmel kann nur entweder blau, grau, schwarz oder rot sein. Für mich gibt’s da tausend Farben und alle waren heut morgen da. Dunkelblau, mittelblau, hellblau-türkis, mintgrün, orange (abricot), grau-blau (Wolken) und extremes pink/rot. Es war ein wahnsinnig toller Sonnenaufgang und dazu dann noch das Meer, auf dem sich der helle Himmel gespiegelt hat und es dadurch silbrig geglänzt hat… Ich war die Einzige so lange draußen. Ich stand da, mit meiner Jacke über meinem schwarzen Kapuzenpulli, Kapuze hoch gezogen und Hände in den Taschen. Ich stand da und musste einfach nur grinsen, weil ich gemerkt hab, wie gut es mir eigentlich geht und in was für einer filmartigen Situation ich gerade bin. Man muss dazu sagen, ich hatte noch die passende Musik dazu im Ohr („Maybe I’m Amazed“ von Jam, melodisches, langsames Klavier-/Gitarrenspiel, eigentlich grade gar nicht mein Stil.). Die hat das alles noch ein bisschen beeinflusst. Als ich völlig durchgefroren war, bin ich dann doch rein. Mama und ich waren dann noch mal unten im Laden, dann durften wir endlich wieder zum Hund und wir waren da! Ich war noch nie so froh, wieder an Land zu kommen. In der nächsten großen Stadt sind wir dann von der Autobahn runter und an eine Tankstelle…aber bis wir die gefunden hatten…und dann mussten wir noch die Bank suchen, Brötchen holen und einen Parkplatz finden. Mir war kalt und ich wollte eigentlich einfach nur schlafen. Hab ich dann auch gemacht, von 8 bis 11 aber leider nur. Mama hat heute nicht geschlafen. Dann sind wir weiter gefahren, zum Meer, in die Nähe des Reiterhofs. Unser Platz ist wirklich nicht weit davon entfernt. Die Fahrt hierher war schrecklich, weil ich vor lauter Müdigkeit die Karte nicht mehr genau lesen konnte. Aber wir haben’s geschafft und sind gleich noch beim Hof vorbei gefahren, um fest zuzusagen. Die sprechen da ja perfekt Deutsch, sind aus Deutschland ausgewandert, die Ponies sehen toll aus, alle sind sehr nett und sie hat mir schon gesagt, dass ich dann kein Anfängerpferd bekomme, nach meiner Reiterfahrung. Hat mich vorher danach gefragt. Bin ja mal gespannt, was für einen Spinner ich da bekomme.
Jetzt sitze ich hier im Wagen, wir haben gerade mal halb 7 abends und ich fühle mich wie auf einem Schiff bei Seegang, weil ich so müde bin. Mama kann schon net mehr richtig laufen und fällt dauernd hin *g*. Wir wollen noch Star Wars im Heimkino schauen, dann geht’s ins Bett. Müde. ICH FREU MICH SO AUF MORGEN!!!
*Fazit/Spruch des Tages*: Ich habe heute den schönsten Sonnenaufgang bisher erlebt, auf einem der schrecklisten Schiffe überhaupt. Christian IV…wenn der wüsste, was für ein Schiff nach ihm benannt ist, würde er sich im Grabe umdrehen!



*****16.08 – DAS HIHLIGHT DER HIGLIGTHS*****
Ich bin fertig. So wie körperlich, als auch einfach fertig. Der Strandritt war…also so hab ich es mir in den kühnsten Träumen nicht erhofft. Aber erstmal von Anfang an, was? Am Morgen war so schreckliches Wetter. Kalt und Regen, es hingen dicke Wolken am Himmel. Ich hab mich schon auf einen total verregneten Strandritt eingestellt. Heute Nacht haben wir ja alle ewig geschlafen, von 8 Uhr abends bis um halb 10 heute Morgen. Mama und Papa sind dann zum Strand gegangen, ich bin hier geblieben und habe weiter geschrieben. Ja, hast richtig gelesen. Auf dem Schiff hab ich doch so lange gelesen und da hatte ich so viele gute Ideen. Im Halbschlaf auf dem Stinkeschiff. Das muss man sich auch mal überlegen. Aber egal. Also weiter geschrieben bis um 15 Uhr. Dann wurde ich unruhig, weil die noch net wieder da waren und ich noch duschen und Haare waschen musste. Irgendwann sind sie dann auch gekommen…und bei mir hat sich Aufregung breit gemacht. Vormittags kam dann irgendwann die Sonne raus und als wir zum nicht weit entfernten Hof (könnte laufen, ging wahrscheinlich aber ne halbe Stunde) gefahren sind, war der Himmel schon fast wolkenlos und es war schön warm. Auf dem Hof waren dann auch schon ein paar Leute. Insgesamt waren wir 4 Touri-Reiter. Dann noch zwei Mädchen vom Hof und er, Axel. Axel und Gila heißen die Hofbetreiber. Axel ist echt eine Nummer für sich. Mit seinem Vollbart und seinem unvergleichlichen Mundwerk…na ja, dazu später. Also haben die mir mein Pferd gezeigt. Schön groß, nicht zuuu dick und…weiß. Ein Fliegenschimmel (zumindest ein bisschen), Kjartan. Er hatte ein bisschen ne Ramsnase, find ich ja eigentlich net so hübsch, aber egal. Wir haben die Pferde fertig gemacht (Gott sei Dank war Kjartan nicht dreckig!!) und dann hieß es: aufsitzen!
Papa hat noch ein, zwei Fotos gemacht und dann ging es los. Auch Axels Mundwerk war jetzt voll in Fahrt. Man muss so wahnsinnig aufpassen, was man in seiner Gegenwart sagt, der macht aus allem nen Witz (mehr oder weniger). Erstmal hatte er meine Reithose im Visier: „Was ist das denn für ein Ding? Das wird doch nur dreckig, so ein Sonnenreiterverschnitt. Und mit den ganzen Taschen und so da hinten, da darfst du dich nicht beschweren, wenn dir alle auf den Hintern schauen!“ Dann hatte er eine der Kleinen (waren paar Kleinere dabei) in der Mangel: „Du, kannst du mal deine Knie ein bisschen an den Sattel drücken, das sieht aus, als könnte da noch meine Katze durchspringen!“
Also der ist schon eine Nummer für sich. Aber trotzdem super nett und vor allem superlustig. Er hat uns einen Tierarzt empfohlen, der wahrscheinlich Brúnkas Krankheit heilen kann.
Also zum Ritt: Los geritten sind wir an der Straße entlang, dann sind wir in den Wald eingebogen. Das war ein kleiner Pfad, aus Meersand, von weichem Gras umgeben, der Waldboden bestand auch aus Moos und Gras und es war ein Kiefernwald. Total schön. Überall standen Fliegenpilze *g*. Der Ritt selber war am Anfang etwas holprig, bis ich mich dran gewöhnt hatte. Kjartan war leider etwas eine Schlaftablette und ein bisschen ein Fredric-Typ (du erinnerst dich doch noch an den treu-doofen Fuchswallach in Schweden??). Außerdem hat er Großpferdegänge. An Tölt war nicht zu denken. Egal, sind wir eben getrabt. Und ich musste ihn vorwärts schieben, die ganze Zeit lang. Schließlich waren wir kurz vorm Meer, das von uns 5km entfernt war. Da war dann die ganze Zeit hoch, runter, hoch, runter, wegen den Dünen. Da waren dann auch keine Bäume mehr, sondern Heidekraut und dieses Dünengras. Kurz vor dem Strand haben wir dann eine Pause für die Pferde gemacht. Ich glaube, Kjartan fand mich nicht so toll. Er durfte nie fressen, ich habe ihm sogar die altbewährte „Ich-kratz-mich-nur-am-Bein-und-fress-dann-ein-Maul-voll“-Methode vereitelt. Dann ging es weiter und endlich waren wir am Strand.
Mama und Papa haben ja schon gesagt, dass es toll aussieht. Aber SO, dass hab ich mir nicht vorgestellt. Da ist die Aquitaine nichts dagegen, ehrlich. Der Strand war mindestens 200m breit, schneeweißer Sand, sehr hohe Dünen mit blau-grünem Gras und hohe Wellen…hier ist halt der Übergang Nordsee-Atlantik, aber von den Wellen her hätte es Atlantik sein können…einfach nur WOW. Wir sind dann an den Teil am Strand geritten, wo nachts das Wasser ist und der Boden deshalb fester ist, so 2 Meter vom Wasser entfernt. Und dann ging es los, im Galopp!!! Das war einfach nur genial, wenn du nach links geschaut hast, das schäumende blaue Wasser und auf der anderen Seite der Schatten des galoppierenden Pferdes auf dem Sand und die Sanddünen im Hintergrund. Geradeaus hast du deinen Vordermann und den Pferdehals mit der wehenden Mähne gesehen, dazu dann noch der Wind und das Meeresrauschen…du siehst, ich bin hin und weg. Dazu war der Himmel inzwischen wolkenlos. Es waren voll viele Leute am Strand, die haben uns Platz gemacht und gestaunt…wir sind fast 2km lang den Strand entlang geritten. Dann gab es wieder eine kleine Pause. Gila und ihre Tochter Linda haben für uns Getränke gebracht und der Border Collie Enno fand’s toll, um uns rum zu rennen. Süßer Hund. Danach haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Hinter mir ist Antje geritten, eine ungefähr 40-jährige, die nur im Urlaub reitet und total fertig war nachher. Die war total nett und so eine typische Isi-Reiterin. Vor mir ist eine geritten, die hat mich total genervt. Angeblich konnte sie schon seit 8 Jahren reiten, aber wie die drauf gesessen ist…Füße sonst wohin gezeigt und beim Galopp ewig weit in den Bügeln. Außerdem war das Pferd zu stürmisch für sie. Die hat nur am Zügel gezogen und am Strand im Galopp ist er ihr abgegangen. Dann hat sie sich im vollen Galopp hingesetzt und zurück gelehnt (!), um an den Zügeln zu ziehen, die sie immer bis direkt vor sich gezogen hat…also ganz komisch. Auf dem Rückweg hat mich diese Jennifer fast in den Wahnsinn getrieben, die hat dauernd mit mir reden wollen und was weiß ich und nebeneinander reiten und so. Ich hätte viel lieber mit Antje geredet, hätte die wohl auch lieber mit mir, weil sie ja die Letzte war…auf dem Hof wollte die Jennifer dann auch noch meine Adresse und jetzt muss ich der nen Brief schreiben…werd aber schon gleich sagen, dass ich schreibfaul bin und dass es etwas länger dauert mit Antworten. Ist ja auch so. Also, weiter mit dem Ritt…wir sind wieder durch den Wald zurück, mit noch etwas Traben (mein Pony konnte net mehr) und ich glaube, die denken jetzt alle, ich hab nen Schuss. Wenn ich einem Pferd vertraue, fang ich an, mit ihm zu labern. Und das war eben auch hier so. Der war nämlich ein ganz süßer und ein riesen Schmusetier bei der Pause. Hab halt mit ihm geredet von wegen „Nein, wir warten mit dem Hinterhertraben, bis wir unten sind, bergab gibt’s das nicht“ oder „Vorsicht, da kommt eine Wurzel! Fuß heben…ja, brav!“ und so weiter…wie ich es eben mit meiner Brúnkali mache. Nach über 4 Stunden waren wir dann wieder auf dem Hof. Mir hat der Rücken wehgetan…na ja, ich werde eben eine alte Frau, ne? *g*
Ich bin echt am Überlegen, mit Brúnka hier nächstes Jahr Urlaub zu machen. Vielleicht können Crissi und du ja mit, die machen auch Reiterferien. Mama und Papa gefällt es hier supergut, vielleicht deinen Eltern auch? Henne Strand, direkt am Meer, ist so süß! Sieht aus wie in Italien mit den ganzen kleinen Eisdielen und Geschäften, richtig süß. Also Dänemark sieht wirklich toll aus, solange man nicht durch das Innland fährt. Wie hat Axel gesagt? „Mein Vater würde sagen: Jung, hier möcht ich nich Tot über dem Zaun hängen.“ Er kommt aus Norddeutschland, hört man. Hier ist eh alles Deutsch, auf einem Dänen kommen hier 5 Deutsche. Aber dieser Ritt…es war sooooooooooooooooooooooooo genial.
Fazit/Spruch des Tages: Dieser Tag war einfach gigantisch und der Ritt einer der schönsten meines Reiterlebens. Ein Erlebnis wie die Eurocheval. Es gibt nichts Besseres.



*****17.08 - *Kopfweh* nehmt doch diese Kiddies weg!!*****
So, also über heute gibt es nicht viel zu berichten. Spät losgefahren, wie könnte es auch anders sein und um 6 Uhr angekommen. Wir sind wieder in Deutschland. Weißt du, wie das einen runterzieht? Ich wäre so gerne noch in Steninge oder Lofthus, oder aber Houstrup. Meinetwegen auch Haukeli oder sogar Oslo. Noch lieber natürlich Stockholm, egal, nur nicht Deutschland. Überall, nur nicht hier. Auf diesem…Kinderplatz. Viel zu groß, viel zu voll, viel zu viel auf „Urlaub, Abenteuer und Events“ getrimmt und VIEL ZU VIELE KINDER. Und das heißt schon was, wenn man aus Norwegen/Schweden kommt, wo es ungefähr die doppelte Geburtenrate wie D’land hat. Normalerweise hab ich nicht gegen Kinder, aber hey, ich komme aus Norwegen, hatte Ruhe, Natur und Einsamkeit. Und jetzt wieder dieses „Ich will Spaß!“ – man kann’s auch übertreiben! Und das Beste, wir haben Emmendinger als Nachbarn. Sie ist eine komische Tante, er labert Papa die ganze Zeit über Meerangeln voll und wollte schon ein Bier mit ihm trinken…
Gerade hab ich dir ne Mail geschrieben, hier gibt’s echt gutes (und billiges) Internet. Ne halbe Stunde 2,50. So viel haben in Norwegen 20 Minuten gekostet. Naja, also meinetwegen würde ich sooo viel für Internet zahlen, aber dafür noch dort sein. Was mich allerdings ein bisschen irritiert hat, waren die Sprachen. Schwedisch kannte ich ja, kein Problem. Aber schon mal in ein Land gefahren und nicht mal gewusst, was Hallo heißt? Ich schon. Sehr witzig: in Schweden „Hey“, in Norwegen „Hi“ und in Dänemark „Heu“. Aber dann konnte ich endlich mal bisschen Norwegisch, sind wir nach Dänemark. Wieder alles neu. Jetzt is es eh wurscht, hier verstehe ich alle (wieder falsch, Sächsisch, Kölsch und Friesisch ausgeschlossen!!). Morgen fahren wir in die Heide. Die blüht noch nicht mal!! Naja, Mama braucht’s halt. Bis morgen dann!
****Fazit/Spruch des Tages:***** ICH WILL ZURÜCK NACH SKANDINAVIEN!!!!!!!!!!



*****18.08 – Durch die Heide im Transportmittel des 19. Jahrhunderts*****
Ja, ja, komischer Titel, ich weiß, aber langsam fallen mir keine mehr ein. Ich hockte gerade im Wohnwagen, Mama und Papa waren gerade die Waschmaschine anschmeißen und jetzt betrinken sie sich besinnungslos. Scherz, nein, sowas würden meine Eltern nie tun. Ok, Lüge, mein Vater hat in Südfrankreich immer so einen Anfall von Trinklust, vor 20 Jahren wäre er fast ins Hafenbecken geflogen deshalb und vor 2 Jahren hat er angefangen zu singen. Jetzt machen sie gerade den Merlot auf…but anyways, zurück zum Thema. Heute war Heide angesagt. Mama hat uns schon gleich zum Frühstück mit der Entstehungsgeschichte der Heide genervt (nicht frei erzählt, sondern vorgelesen) und dann ging’s los, nach Uhlendorf. Da wollten wir mit der Kutsche fahren. Erst hatten wir, bzw. Mama, vor, Fahrräder zu leihen und in die Heide zu fahren (man beachtet, dass sie min. 20km entfernt ist), aber die waren schon alle ausgeliehen. Also eben eine Kutschfahrt. Davon gab es ja reichlich dort. Also hat jeder brav 8€ gezahlt und los ging’s. In einer riesen Kutsche mit min. 20 Leuten drauf und zwei Kaltblütern vorne dran (Ein Bretone oder Pole und ein Kaltblut-Warmblut-Mix, denke ich). 40 Minuten lang ging die Fahrt nach Wilsede, ein Freilichtmuseum mitten in der Heide. Schon mal durch ein violettes Meer gefahren? Ich schon. Hat zwar noch nicht so ganz geblüht, weil es zwei Wochen vorher kalt war und geschüttet hat wie sonst was (anscheinend bringen wir überall, wo wir hinkommen das gute Wetter mit. Erst Steninge, dann Lofthus, Houstrup und jetzt hier), aber mir hat es gereicht. Aber heute war der Himmel tiefblau und wirklich wolkenlos. Leider hatte es nur 25°C, was jedoch schon weitaus höher ist, als das, was wir in Norwegen hatten (22°C waren da Rekord). Die Heide war ganz ok, aber ich fand es nicht so beeindruckend und atemberaubend wie z. Bsp. das Hardangar Vidda. Hier waren überall so viele Leute, das war schon fast keine Natur mehr. Da oben waren wir alleine, da ist uns fast kein Auto entgegen gekommen, weiß ich noch. Naja, aber war trotzdem schön, das Museum hat mich total an den Schniederlihof erinnert, nur ohne „alemannische“ Führung. Papa hat fast einen Anfall gekriegt, weil alles voll war mit Schein-Toten (aka alte Leute) und es ihn glaube ich ein bisschen davor graut, auch alt zu werden. Naja, wen tut das nicht? Ok, ich, weil ich nicht daran denke. Der Heimweg aus der Heide war dann aber das Beste. Wir wollten nicht wie auf dem Hinweg über die Autobahn, sondern über die Landstraße. Wir sind am Drehort vom Immenhof vorbei gekommen, durfte man nur leider nicht drauf. Wegen mangelnder Beschilderung haben wir uns danach dann aber prompt verfahren und mussten eine Schleife fahren. Dabei sind wir auf ein paar kleine Sträßchen und in ein Dörfchen (Häuseransammlung) gekommen, das in Norwegen hätte sein können. Sowas gibt es in Baden schon gar nicht mehr. Die Straße wurde immer schmaler, ist in den Wald rein und wurde plötzlich nur noch gepflastert. Irgendwann war es nur noch ein Feldweg. Wir dachten schon, gleich sind wir in ner Sackgasse, aber nein, es war wirklich die Straße, die in der Karte eingezeichnet war, sie kam in dem richtigen Dorf raus! Weil’s uns (oder besser gesagt mir, als Kartenleser) zu viel wurde, sind wir das letzte Stück doch auf die Autobahn und waren dann bald da. Weil es noch so warm war, haben Mama und ich dann den Badesee ausprobiert. Das erste Mal Schwimmen diesen Urlaub. Es war saukalt, echt. Der Sandstrand war auch alles andere als angenehm, wenn man es mit Houstrup vergleicht *schwärm*, aber das sollte man besser nicht. Die Wasserqualität war auch nicht die Beste. Für Deutschland vielleicht, aber nachdem ich Norwegen gesehen habe, ist das eine abgestandene Brühe (stimmt ja auch irgendwie, hat ja keinen Zufluss, wo auch??). Jetzt sind wir wie gesagt wieder am Wagen. Zumindest ist es jetzt ruhig, vor kurzem hat hier irgendwer noch Krach gemacht (Ein zu laut aufgedrehtes Kinderlied über Kaugummi bezeichne ich so). Die Emmendinger nebendran sind ein bisschen beleidigt, weil wir immer abhauen und uns nicht mit ihnen zusammensetzen, aber wer kann einem das übel nehmen *g*? Morgen ist der letzte Urlaubstag…wenn man es so sieht, ist es traurig, aber andersrum hört es sich toll an: Morgen ist der letzte Tag auf diesem schrecklichen Platz!!! Du darfst mich jetzt nicht falsch verstehen, ich mag Kinder, ich war auch mal eins und verstehe sie, aber hier kommen auf einen Erwachsenen ungefähr 3 Kinder, prozentual gerechnet!.


*****19.08 – Bergen-Belsen, 60 Jahre später*****
Mir ist gerade nicht wirklich zum Scherzen zu Mute. Wir waren heute in Bergen-Belsen, ein kleiner Ort gerade einmal 10km entfernt von hier. Wenn man rein fährt, denkt man, es ist ein unbedeutender Ort. Dann sieht man den Militärplatz, der fast das ganze Dorf einnimmt. Aber selbst das wäre ja noch nichts „Besonderes“. Was aber wirklich in Bergen-Belsen war und ist, das weiß wahrscheinlich noch nicht einmal 1/3 der Camper hier und sie sind nur 10km entfernt. Wenn du die Tagebücher der Anne Frank gelesen hast, wovon ich stark ausgehe, klingelts jetzt aber bei dir. Bergen-Belsen war das KZ, in dem sie gestorben ist. Wir waren da und haben es gesehen oder bzw. das, was noch davon übrig ist. Als es von den englischen Truppen aufgelöst wurde, haben sie alle Gebäude bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Seit 1990 haben aber Jugend-Organisationen einen Teil wieder frei gelegt. An Steinhaufen, Mauerresten und Scherben lässt sich noch erahnen, was hier gestanden hat. Was ich sehr gut finde, ist, dass sie nichts gegen den Bewuchs tun. Auf den Mauerresten steht Gras, kleine Büsche und alles ist mit Moos überzogen. Es sieht völlig wild aus. Ein krasser Kontrast zu dem anderen KZ, was ich gesehen habe, Struthof bei Natzweiler im Elsass. Da waren alle Rasenflächen gepflegt, die ehemaligen Baracken frisch gestrichen und alles sauber und…ordentlich. Da kam diese Atmosphäre nicht auf. Struthof war aber kein KZ in dem Sinne. Dort wurden nicht Tausende von Menschen umgebracht. Es war nur ein Arbeits- und Zwischenlager. Es sind auch Menschen gestorben, aber nicht bei weitem so viele, wie hier. Hier läufst du über den Boden und weißt, dass unter dir die Bevölkerung einer Großstadt, wenn nicht mehr, verscharrert liegt. Große Grabhügel wurden später von den Briten angelegt, in dem die letzten Toten bestattet worden sind. Da steht dann auf jeden die Zahl der Toten. Mal sind es 45.000, mal 10.000, mal ist die Zahl unbekannt. Die Grabhügel, das Mahnmal und die später angelegten Sachen (Gedenkwand etc.) sind die einzigen Punkte, die regelmäßig gepflegt werden. Am Wegrand haben Jugendliche alle (bekannten) Namen von Opfern auf Folien geschrieben. An den Baracken sind ein paar der alten Backsteine mit Namen der dort gestorbenen Opfer versehen. Dort in der Nähe steht ein alter Baum. Kein Baum in dem Sinne. Wohl eine Espe, der Stamm ist ziemlich dünn gewesen. Der Baum war tot, keine Rinde mehr und ganz hell und bleich. Er hatte auch keine Äste mehr, gerade einmal die erste Gabelung oben war noch zu erkennen. Er muss drei große Äste und ganz viele kleine, von denen man noch die Anfänge erkennen kann, gehabt haben. In diesen ziemlich krummen Astresten hängen alte, verrostete Stücke Stacheldraht. Auf dem Stamm des Baumes ist mit schwarzem Edding ein Gedicht oder ein kleiner Monolog, wie du es halten willst, geschrieben, den ich abgeschrieben habe:

Espenbaum; dein Laub blickt weiß ins Dunkel
Meiner Mutter Haar ward nimmer weiß.
Löwenzahn; so grün ist die Ukraine
Meine blonde Mutter kam nicht Heim:
Regenwolke; säumst an den Brunnen
Meine leise Mutter weint für alle:
Runder Stern; du schlingst die goldne Schleife
Meiner Mutter Herz ward von Blei wund
Eiche Tür; wer hob dich aus den Angeln.
Meine sanfte Mutter kann nicht kommen.

Paul Célan

Mir war mehr als ein Mal zum Heulen zu mute. Auf einem der Grabsteine hab ich, wie viele andere, einen Kiesel hingelegt, an die Gedenkmauer ein kleines Wildblumen-Sträußchen hingelegt und im Raum der Stille auf den Gedenktisch einen Glückscent. Als wir wieder auf den Platz gekommen sind, fand ich die Stimmung hier noch schlimmer, als sonst.



*****20.08 – Home sweet home*****
Wir sind auf der Heimfahrt, kurz vor Frankfurt. Ich denke mal so 50km. Ich hab schon eine Zeit lang nicht mehr auf die Straßenschilder geschaut. Deshalb hab ich auch leider Luschendorf verpasst, aber ich glaube, das werd’ ich mir im Routenplaner mal im Internet suchen.
Wie nicht anders zu erwarten sind wir heute Morgen natürlich wieder ziemlich spät los. Wir haben gestern Abend nichts, aber auch gar nichts abgebaut, deshalb mussten wir das dann heute Morgen machen. Um 11 Uhr sind wir endlich weg gekommen, dann kam im eine schöne Nachricht im Radio: Auf unserer Strecke waren 12km Stau! Die durften wir dann umfahren, ging aber ganz gut. Leider haben wir dadurch natürlich noch mehr Zeit verloren. Wir haben dann erst um 3 wieder eine Pause gemacht, im McDonald’s. Aber bis wir den gefunden hatten…total bescheuerte Beschilderung. Vor kurzem waren wir noch mal Tanken, dann gab es wieder eine kleine Verwirrung, welche Säule, weil Papa schon zum Parkplatz gefahren ist, während Mama und ich Bezahlen sind. So wie damals in Norwegen, wo Papa die Säule gewechselt hat, es Mama aber nicht gesagt hat und ich net gemerkt hab, dass Mama die alte Säule angibt. Das war ein Theater, bis das wieder ok war. Mama konnte wenig Englisch und der Typ an der Kasse irgendwie auch nicht. Dann musste er den Chef holen, weil er nicht wusste, wie man das rückgängig machte, den Rest kannst du dir denken. Chaos! Ich hab damals echt gedacht, die holen die Polizei wegen Betrugsversuch. Haben sie aber nicht getan, die lieben Norweger. Sowas ist hier nicht passiert, wenigstens hätte es ja keine Verständigungsprobleme gegeben. Gleich kommen wir jetzt nach Frankfurt (du siehst, ich brauche immer ein bisschen, überlege halt zwischendurch)…immer weiter weg von Skandinavien und immer näher nach Hause. Zuhause wartet noch das Finale der ersten Staffel O.C. California auf uns. Genauso wie ein armes, sich Haare ausrupfendes Kätzchen und ein kugelrundes Isi-Omilein. Du kannst dir nicht vorstellen, wie ich mich auf sie freue.
*Fazit/Spruch des Tages*: „Es ist noch nicht vorüber, This is not the end!“